New Work Dictionary

New Work Dictionary

Aufmerksamkeitsindustrie

Die Aufmerksamkeitsindustrie ist ein Produktionssystem, dessen Ressource Aufmerksamkeit ist. Der wohl größte Teil des Internets folgt ihren Regeln. Ihre Güter bestehen üblicherweise aus Zerstreuungen. Sie gehört zu den größten Herausforderungen von New Work, da spätestens seit dem Web 2.0 die meisten von uns der A. hochkonditioniert zuarbeiten und dadurch zwei unserer wichtigsten geistigen Ressourcen erschöpfen: Bewusstheit und Konzentration.

Kognitive Verzerrung

Eine kognitive Verzerrung (englisch: „cognitive bias“) ist eine Form der Irrationalität verursacht durch geistige Daumenregeln, die Menschen intuitiv verwenden. Die meisten dieser Heuristiken sind fest im Gehirn verankert, d. h. sie können nur schwer abtrainiert werden. Gleichwohl ist es möglich, ihre teils verheerenden Auswirkungen insbesondere auf Entscheidungsprozesse zu verringern. Dies erreichen neue Arbeitsweisen u. a. durch intuition design.

Kreativität

Kreativität ist die Fähigkeit, auf neue und vorzugsweise nützliche Ideen zu kommen, und ist damit gleichsam die Fähigkeit, sich auf den Zufall verlassen zu können. Ihr Prozess besteht aus vier Teilen:

 

1) Konzentrierte Einarbeitung in das zu lösende Problem

2) Fortsetzung durch unbewusste Denkprozesse (=Inkubation)

3) Einfälle

4) Bewertung der Einfälle

 

Qualität und Menge der so entstehenden Ideen können durch richtiges Training erheblich verbessert werden. Am Arbeitsplatz führt die Bewertung am häufigsten zu Problem, v. a. aufgrund kognitiver Verzerrungen, vorschneller Kritik und vielen meist unbewussten Begrenzungen unseres Denkens. – Bemerkenswert ist, wie oft schlicht Zufall fehlt, den Angst und Regeln leicht verscheuchen, und der Zeit braucht, sich zum Einfall zu entfalten.

Digitale Demenz

Digitale Demenz ist der Abbau unser geistigen Fähigkeiten durch (übermäßige) Benutzung digitaler Technologien. Vor allem unser Gedächtnis, Einfallsreichtum, Gründlichkeit und der wache, volle Einsatz unserer Sinne sind davon betroffen. Zudem führt digitale Technologie oft zu Suchtverhalten, das, unter anderem, die oben genannten Erscheinungen verstärkt. Ein weniger gebräuchlicher, die Folgen der Technologienutzung zu sehr einschränkender Name für d. D. ist digitale Amnesie.

Incuplay

Incuplay ist eine Kreativitätstechnik und die Kunst, ein Problem aktiv anzugehen während man inkubiert, d.h. während man es eigentlich unbewussten Denkprozessen überlässt. Statt die beiden ersten Schritte des kreativen Prozesses zu trennen – die konzentrierte Einarbeitung und die unbewusste Weiterverarbeitung – verbindet Incuplay beides auf eine ebenso wirkungsvolle wie entspannte Weise. Incuplay hilft dabei, genauer zu analysieren, Beschränkungen aufzuheben und Dinge aus anderen Blickwinkeln zu betrachten. Die entsprechenden Techniken unterscheiden sich in Bezug auf Einzelne oder Gruppen sowie hinsichtlich der jeweiligen Probleme. Glücklicherweise können sie gelernt werden – zum Beispiel hier bei Berlin Alley.

Innovation

Eine Innovation ist eine neue und nützliche Idee, die umgesetzt wurde, vorzugsweise durch die Etablierung am Markt oder, grundsätzlicher, in anderen Bereichen der Gesellschaft. Da das Finden nützlicher Ideen anderer Fähigkeiten bedarf als ihre Umsetzung, sind nicht alle Kreativen auch Innovatoren und anders herum.

Intuition Design

Intuitionsdesign ist eine Methode zur Verbesserung von Entscheidungen. Im ersten Schritt werden diejenigen Heuristiken und Denkfehler aufgedeckt, die unbewusst und systematisch unsere Entscheidungen beeinflussen. Im zweiten Schritt wird gezeigt, wie man methodisch diese Denkfehler vermeidet oder, in schwerwiegenden Fällen, ihre negativen Nebenwirkungen zumindest minimiert – um wohlabgewogene, rationale Entscheidungen zu treffen.

Kickertisch

Zusammen mit der Ping-Pong-Platte und der Playstation im Pausenraum ist der Kickertisch eine der Insignien der neuen Arbeitswelt. Er steht für Work-Life-Blending, Spaß mit den Kolleg_Innen und, aufseiten des Establishments, für die Skepsis, es handle sich bei New Work um bloße Spielerei.

Lebenslanges Lernen

Lebenslanges Lernen ist Ideal und Praxis kontinuierlicher Weiterentwicklung in einer Umwelt, die sich ständig ändert. Bedauerlicherweise wird im Deutschen durch die Formulierung eher an ein Strafmaß als an die Möglichkeit erinnert, auch in wechselnden Kontexten erfolgreich und erfüllt zu arbeiten. Um den Aspekt der Chance zu betonen und weniger den der Forderung und ist die Wendung “beständiges Lernen” vorzuziehen.

New Work

New Work ist eine Sammelbezeichnung für Praktiken, Denkweisen und Organisationsformen, die auf Veränderungen der Arbeitswelt im 21. Jahrundert reagieren. Zu diesen Veränderungen gehören

 

(1) die Möglichkeiten und Herausforderungen der digitalen Wende;

(2) die auch allgemein gestiegene Komplexität der Umwelt (aka VUCA-Welt); sowie

(3) der höhere Einfluss psychologischer Erkenntnisse auf die Arbeitpraxis.

 

New Work reagiert auf diesen Wandel betont progressiv und in drei verbundenen Hinsichten:

 

(A) mit Vorschlägen zu einer stärker am Menschen orientierten Arbeit (human-centered work);

(B) mit Entwürfen flexiblerer Arbeits- und Organisationsformen; sowie

(C) mit der starken Betonung und Förderung kollaborativer Arbeitsformen.

 

Bewunderer von New Work weisen auf die Ironie hin, dass die gestiegene Technologisierung somit zu mehr Menschlichkeit in der Arbeitswelt führe; Kritiker wenden ein, dass die Bewegung nicht von dem Staub zu unterscheiden sei, den sie aufwirbele, und dass, wenn sich dieser gelegt habe, doch nur wieder der alte Adam (resp. Eva) zum Vorschein komme, mit nur leicht verschobenen Bequemlichkeiten. – Weiterführende Informationen finden Sie hier.

Psychologische Sicherheit

Psychologische Sicherheit ist eine Atmosphäre, die erlaubt, ohne Angst Risiken einzugehen. Zu diesen Risiken zählen vor allem Fehler sowie der Ausdruck von Emotionen, Meinungen (s. Transparenz) und individuellen Unterschieden (s. diversity). Laut Googles Studie “Aristotle” ist psychologische Sicherheit der wichtigste Faktor für Erfolg in Teams. Eine unserer Lieblingsstudien zeigt, dass p. S. auch die Überlebenschancen bei Expeditionen im Himalaya erhöht. Vergleichbares dürfte für Unternehmen gelten.

Smartphone

Das Smartphone ist ein Gerät, mit dem Firmen ihre Kunden in Waren und Ressourcen verwandeln. Anders als sein Name nahelegt, gehört von den durchschnittlich zweieinhalb Stunden, die Nutzer_innen mit dem Gerät pro Tag verbringen, nur ein Bruchteil geistig anspruchvollen Beschäftigungen. Smart ist viel eher, wie die Industrie durch variable Belohnungen Milliarden von Usern dazu gebracht hat, brav das eigene Verhaltensprofil in Datenbanken einzupflegen. – Um zu betonen, in welchen Zustand das sogenannte Smartphone seine Nutzer_innen versetzt, ist der englische Begriff „cell phone“ vorzuziehen.

Smart Work

Smart Work ist eine Arbeitsweise, bei der wir besser mit unseren geistigen, emotionalen und körperlichen Energien umgehen. Sie führt dazu, dass wir beruflich und privat das schaffen, was wir wollen. Ihr liegt die Überzeugung zugrunde, dass Produktivität und Zufriedenheit sich wechselseitig fördern, und dass Arbeit ausgerichtet werden muss an unseren Stärken, Bedürfnissen und Leistungsgrenzen. Im digitalen Zeitalter ist diese Ausrichtung nötiger denn je: Auf die Zumutungen der Aufmerksamkeitsökonomie und die Beschleunigung der Märkte können wir nicht mit herkömmlichen Mitteln reagieren.

VUCA-Welt

Die Abkürzung „VUCA“ bezeichnet eine Krise unseres Umgang mit der Welt. Sie steht, übersetzt aus dem Englischen, für “flüchtig, ungewiss, komplex und mehrdeutig”. Tatsächlich war die Welt schon immer vielfältig, schnell und schwer zu verstehen. Aber spätestens mit der digitalen Wende sind diese Schwierigkeiten gewachsen wie nie zuvor. Sie lassen sich nicht mehr eindämmen durch traditionelle Strategien: Wir kennen uns einfach nicht mehr aus. – Daher brauchen wir heute übergeordnete Denkweisen und Methoden, um in der Revolution von Arbeit, Leben und Bedeutung erfüllt zu sein. Berlin Alley ist überzeugt, dass wir diese Methoden nur erwerben können, indem wir unsere Arbeit am Menschen orientieren: an unseren grundlegenden Stärken, Bedürfnissen und Leistungsgrenzen.